Ein BikeHotelier im Portrait: Kurt vom Hotel Steineggerhof
Wenn man Kurt Resch, Präsident der Südtiroler BikeHotels, Chef im Bio- und BikeHotel Steineggerhof, Guiding-Legende und Koch zum Gespräch bittet, dann legt er richtig los. Kein Telefonat geht unter einer Stunde, kein Call passiert, ohne über Trails, Küche und Dolomiten zu sprechen. Im diesemn Interview lernst du den Südtiroler Bike-Pionier und Bike-Experten ganz persönlich kennen.
Kurt, du giltst als BikeHotel-Pionier und in der Szene kennt dich und den Steineggerhof eigentlich jeder. Aber du bist jetzt nicht mehr aktiver Bikeguide. Wie kommt das?
Als wir 1995 mit den geführten Touren angefangen haben, war ich Koch und Bikeguide zugleich. Da stand ich abends oft mit Bikeklamotten in der Küche, weil ich keine Zeit zum Umziehen hatte. Damals war ich jung und mir machten die langen Touren und die Arbeit am Abend nichts aus. 2009 stellten wir eine Köchin an und ich übernahm die Arbeit als Bikeguide in Vollzeit. 2018 gab es zwei wichtige Ereignisse: Meine Tochter Natalie wollte bei uns kochen, aber nur wenn ich als Chefkoch wieder in die Küche zurückkomme. Da konnte ich nicht Nein sagen, denn was gibt es Schöneres, als wenn die eigenen Kinder im Betrieb arbeiten wollen.
Etwas später flogen meine Frau Sonja und ich nach Mexiko, und dort habe ich zum ersten Mal live miterlebt, wie verschmutzt unsere Welt inzwischen ist. Das hat mich so sehr beschäftigt, dass ich mich in den Hotelgarten zurückgezogen habe und darüber gegrübelt habe, wie wir unseren Betrieb so naturnah wie möglich führen können. Das hat dann eine Kettenreaktion ausgelöst, die nicht geplant war und sich einfach so entwickelt hat: Wir haben unser Hotel auf eine vegetarische Küche umgestellt – tierische Produkte gibt es seitdem nur noch als Wahl beim Hauptgericht und beim Frühstück –, wir sind Mitglied der Biohotels geworden, haben eine CO₂-Bilanz erstellt, aus deren Daten wir sehr viel gelernt haben, dann kam die Gemeinwohlökonomie-Bilanz dazu, irgendwann wurden wir eingeladen, Vorträge zu halten, seit 2021 kochen wir vegan, zwei vegane Kochbücher haben wir gedruckt, vegane Kochkurse halten wir in Hotels, Schulen oder bei uns im Hotel, dann kamen Auszeichnungen dazu, Schulklassen und Vereine kommen zu uns, weil wir inzwischen ein Vorzeigehotel geworden sind. Besonders freut es mich, dass auch Mitarbeiter zu uns kommen wollen, weil sie Veganer sind oder weil ihnen unsere Philosophie gefällt. Ja, und so bin ich halt in der Küche gelandet. Natalie ist übrigens auf dem Biohof meiner Frau und ist unser Fleischlieferant – dafür ist Tochter Lisa bei uns im Hotel und unterstützt uns sehr gut, was mich natürlich sehr stolz macht!
Vermisst du das Biken? Wer hat deinen Job als Bikeguide übernommen?
Ja, natürlich vermisse ich das Biken, besonders wenn ich wieder einmal eine Tour gemacht habe. Ich bin ja von über 120 geführten Biketouren im Jahr auf kaum 10 Touren abgestürzt. In diesem Jahr schaut es nicht schlecht aus. Man muss auch verstehen, dass der Beruf als Koch sehr anstrengend ist. Ich arbeite immer noch sieben Tage die Woche, und als Sechzigjähriger braucht man einfach längere Pausen zum Ausruhen – da hast du dann meist keinen Bock, am Nachmittag noch schnell eine Runde mit dem Bike zu drehen. Beim Kochen bin ich genauso zielstrebig, innovativ und ehrgeizig wie ich es beim Biken war: So wie ich früher auf den Trail fokussiert war, so bin ich es heute bei einem Gericht. Wenn man etwas gerne tut, dann ist es egal, was es ist – es zählt die Genugtuung, die man am Abend hat.
Meinen Job als Bikeguide haben sehr gute Leute übernommen. Patrick ist seit sieben Jahren bei uns und Hansjörg seit fünf Jahren. Sie harmonieren perfekt miteinander und die Gäste kommen auch wegen ihnen wieder zu uns. Somit haben sie meinen Part perfekt übernommen – da muss ich mir um nichts Gedanken machen und ich weiß, dass sich unsere Gäste in guten Händen befinden.
Was glaubst du, macht den Steineggerhof so besonders, und was unterscheidet euch von anderen BikeHotels?
Ob wir besonders sind, weiß ich nicht. Ich wollte immer anders sein als die anderen – das war früher, oder ist es immer noch, die Trailauswahl mit sehr wilden, technischen Trails. Dadurch haben wir technisch versierte Biker angezogen. Ähnlich ist es heute in der Küche: Da will ich auch nicht das kochen, was andere kochen. Das ist langweilig!
Was uns von den meisten anderen BikeHotels unterscheidet, ist, dass wir zwei Bikeguides im Haus haben – und das finde ich sehr wichtig für die Gäste. Auch der Bikeverleih im Hotel ist sehr wichtig und wird sehr gut genutzt. Dann sind wir ein sehr nachhaltiges Biohotel mit 100 % Bioprodukten, und vegan kochen auch nicht sehr viele. So viele Trails und den Dolomitenblick haben nur wenige Bikehotels.
Bei den BikeHotels Südtirol gilt: Der Gastgeber ist Bikeguide. Warum eigentlich, und wie ist das bei dir, wenn du nicht mehr selber mit deinen Gästen fährst?
Als wir 1998 die BikeHotels Südtirol gegründet haben, waren wir noch jung und freier – damals haben meine Eltern den Betrieb geführt. Da war keiner von uns so im Betrieb eingespannt wie heute. Die Führung eines Hotels ist komplizierter und aufwändiger geworden. Wenn ich den ganzen Tag mit dem Bike unterwegs bin, muss jemand meine Arbeit machen, und das wäre schwierig. Ich bin ja nicht nur Koch, sondern auch Hausmeister, Gärtner, Einkäufer, Problemlöser und vieles mehr.
Meine Guides machen das richtig gut. Man muss auch delegieren können – der Chef kann nicht alles machen!
Du warst einer der ersten, die voll aufs E-Bike gesetzt haben. Fühlst du dich heute bestätigt?
Den ersten Kontakt mit einem E-Bike hatte ich 2009 bei Thömus in der Schweiz, wo der Stromer vorgestellt wurde. Damals habe ich mir gedacht: Wenn E-Bikes geländetauglich werden, dann wird das ein ganz großes Ding. Jahre später hat Bosch den Mittelmotor gebaut, und somit waren E-Bikes auf den Trails fahrbar. Mit den richtigen Kontakten hatten wir bald E-Bikes in unserem Verleih. Nur wollte die anfangs niemand fahren – die Gäste haben sich geschämt, E-Bike zu fahren. Heute ist das zum Glück anders: E-Bikes sprechen eine breite Masse an, und das ist gut so. Weniger gut finde ich derzeit den Trend zu immer stärkeren Motoren. Dieses Wettrüsten bringt uns früher oder später nur Ärger ein.
Wie heißt es so schön: Zuerst wirst du ausgelacht, dann beschimpft und dann gefeiert. Genau so hat es sich angefühlt – von daher ist es schon auch eine Bestätigung und sehr oft eine Genugtuung.
Oft kommst du ja nicht mehr zum Biken: Wenn du nun doch mal frei hast – welche Tour würdest du fahren und warum?
Vor wenigen Tagen bin ich meine Hausrunde zum Nigerpass und über den Carezza-Trail wieder nach Hause gefahren. Die Tour gefällt mir, weil ich auf meinen teils unbekannten Hometrails fahren kann. Das Panorama auf die Dolomiten ist grandios, der Carezza-Trail mit seiner Pumpline gefällt mir auch gut, und auf Trails geht es wieder zurück nach Steinegg. Früher war die Tour mit dem Mountainbike eine Tagestour – mit dem E-Bike brauche ich für die 42 km und knapp 1.700 Hm ca. 3 Stunden.
Zum Schluss noch ein Fragenhagel:
- Espresso oder Cappuccino? – Cappuccino
- Uphillflow oder Downhillaction? – Das gehört beim E-Biken einfach zusammen.
- Kochlöffel oder MTB-Lenker? – Schwierig … derzeit eher der Kochlöffel, weil ich noch 1.000 Ideen für Gerichte habe. Biken brauche ich zum Abschalten.
- Kuchenpause oder durchfahren? – Kuchenpause, unbedingt!
- Anspruchsvolle Singletrails oder schnelle Flowtrails? – Naturtrails S3.
Link-Empfehlung:
Hier gibt es Angebote und alles übers Biken im Steineggerhof.